Grindelwald liegt unter der Eiger-Nordwand, und aus dem Dorf fahren vier Bergbahnen. Das macht es zum einfachsten Ausgangspunkt im Berner Oberland, um weit oben loszugehen — und führt zu der Eigenheit, die in den meisten Wanderlisten fehlt: hier geht man meistens hinunter. Vier der fünf Routen unten beginnen an einer Bergstation, zusammen 320 Höhenmeter hinauf und 1333 hinunter. Alle Kenndaten stammen aus Schweizer Routendaten statt aus Schätzung, jeder Ausgangspunkt ist ab Interlaken Ost mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar, und die Fahrzeit steht dabei.
Auf einen Blick
- Routen
- 5, Schwierigkeit T1 bis T2
- Ausgangsort
- Interlaken Ost — keine der Routen braucht ein Auto
- Anfahrt zum Start
- 36–54 Min. mit Bahn und Bergbahn
- Laufrichtung
- 320 Höhenmeter hinauf gegen 1333 hinunter — vier der fünf starten an einer Bergstation
- Saison
- Juni bis Oktober weit oben; die tiefen Routen, solange der Weg offen ist
- Kürzester Tag
- Royal Walk auf den Männlichen, 40 Minuten hin und zurück
- Längster Tag
- Grindelwald hinauf zur Grossen Scheidegg, 3:22 Std.
- Reisepass
- Bergbahnen sind ermässigt, nicht inbegriffen — bei Traversen beide Enden prüfen
Die fünf Routen im Überblick
| Route | Distanz | Dauer | Aufstieg | Abstieg | Grad | Anreise |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Royal Walk auf den Männlichen-Gipfel | 1,5 km | 0:40 h hin und zurück | +116 m | −116 m | T1 | Männlichen — 54 Min. |
| Panoramaweg Männlichen–Kleine Scheidegg | 4,6 km | 1:30 h | +10 m | −163 m | T1 | Männlichen — 54 Min. |
| Eiger Trail: Eigergletscher–Alpiglen | 6,1 km | 2:00 h | +78 m | −779 m | T2 | Eigergletscher — 52 Min. |
| Pfingstegg–Milchbach–Hotel Wetterhorn | 3,5 km | 1:10 h | +116 m | −275 m | T2 | Pfingstegg — 47 Min. |
| Grindelwald–Grosse Scheidegg | 8,3 km | 3:22 h | +927 m | — | T2 | Bahnhof Grindelwald — 36 Min. |
Wo sie starten und wohin sie führen
Wo liegt was?
Orientierungskarte: Lage der Ziele zueinander, massstäblich nach Koordinaten, ohne Gelände.
- Höhe 2'342 m
- Anreise Noch nicht geprüft
- Preis Kostenlos
- Zeitbedarf 0:40 h hin und zurück
- Saison Juni–Oktober
- Höhe 2'205 m
- Anreise 54 Min. Zug + Bergbahn
- Preis Je nach Anbieter
- Zeitbedarf 0:40–1:30 h
- Saison Juni–Oktober
- Höhe 2'055 m
- Anreise Noch nicht geprüft
- Preis Je nach Anbieter
- Zeitbedarf Bahn zurück ab hier
- Saison Juni–Oktober
- Höhe 2'340 m
- Anreise 52 Min. Zug + Bergbahn
- Preis Je nach Anbieter
- Zeitbedarf 2:00 h bis Alpiglen
- Saison Juni–Oktober
- Höhe 1'628 m
- Anreise Noch nicht geprüft
- Preis Je nach Anbieter
- Zeitbedarf Bahn zurück ab hier
- Saison Juni–Oktober
- Höhe 1'386 m
- Anreise 47 Min. Zug + Bergbahn
- Preis Je nach Anbieter
- Zeitbedarf 1:10 h bis Wetterhorn
- Saison Juni–Oktober
- Höhe 1'034 m
- Anreise 36 Min. Zug
- Preis Kostenlos
- Zeitbedarf 3:22 h bis zum Pass
- Saison Ganzjährig
- Höhe 1'962 m
- Anreise Noch nicht geprüft
- Preis Je nach Anbieter
- Zeitbedarf Postauto hinunter
- Saison Juni–Oktober
© OpenStreetMap-Mitwirkende
Koordinaten und Höhen aus dem amtlichen swisstopo-Gazetteer und dem Geländemodell, abgerufen am 5. August 2026. Fahrzeiten sind die schnellste Verbindung ab Interlaken Ost an einem Sommerwerktag, am selben Tag aus dem Schweizer Fahrplan geholt.
Warum in Grindelwald fast alles bergab geht
Grindelwald hat für ein Dorf dieser Grösse ungewöhnlich viele Bergbahnen — Eiger Express, Männlichenbahn, Pfingsteggbahn und Firstbahn starten alle wenige Minuten voneinander entfernt. Die Folge: die klassischen Wanderungen beginnen an einer Bergstation und enden an einer tieferen. Zusammengerechnet steigen die vier Bahnrouten dieser Seite 320 Höhenmeter und fallen 1333 — ein Verhältnis von rund eins zu vier, beim Eiger Trail allein eins zu zehn.
Das ist aus zwei Gründen wichtig, und keiner davon steht in einer Schwierigkeitsskala. Anhaltendes Absteigen belastet Knie und Bänder stärker als der gleiche Aufstieg, eine als «leicht» geführte Route kann den Tag also trotzdem früh beenden. Und ein Abstieg lässt sich nicht auf halbem Weg verkürzen: bergauf kann man jederzeit umkehren und hat einfach weniger gemacht, auf der Querung unter dem Eiger führt der einzige Weg hinaus nach vorne und hinunter. Wer den Knien nicht traut, nimmt den Royal Walk — die einzige Route hier, die hinauf- und wieder zurückführt — oder geht den Eiger Trail in der Gegenrichtung.
Die Routen im Einzelnen
Royal Walk auf den Männlichen-Gipfel
Der kürzeste richtige Gipfel hier und die einzige Route, die so viel steigt wie sie fällt. Von der Bergstation führt ein breiter Weg über den Rücken auf 2342 m, wo sich die Aussicht nach beiden Seiten gleichzeitig öffnet: Lauterbrunnental auf der einen, Grindelwald und die Eiger-Nordwand auf der anderen. Vierzig Minuten für beide Richtungen. Das amtliche Geländemodell gibt für den Gipfel 2342,3 m an — publizierte Angabe und Messung stimmen hier auf den Meter überein, was selten vorkommt.
Panoramaweg Männlichen–Kleine Scheidegg
Der meistbegangene Weg der Region, und das aus gutem Grund: zehn Höhenmeter Anstieg auf viereinhalb Kilometern, mit Eiger, Mönch und Jungfrau die ganze Zeit frontal vor sich statt seitlich. Der Weg quert die Ostflanke unter dem Tschuggen und verliert die Höhe so allmählich, dass die meisten den Abstieg gar nicht bemerken. Die Route für einen späten Start, für Kinder oder für einen Tag mit unsicherer Prognose — am Ende steht ein Bahnhof, der Weg lässt sich also jederzeit folgenlos abbrechen.
Eiger Trail: Eigergletscher–Alpiglen
Die Route, für die man kommt. Vom Bahnhof Eigergletscher dem Fuss der Nordwand entlang über Alpweiden und Geröll, nahe genug, dass an einem stillen Tag Steinschlag zu hören ist, dann hinunter zur Station Alpiglen. Zwei Stunden, und fast alles davon abwärts: 78 Höhenmeter Anstieg gegen 779 Abstieg, ein Verhältnis von eins zu zehn. Das ist die Zahl, nach der man planen sollte. Technisch ist der Weg unschwierig, aber ein durchgehender Abstieg von siebenhundert Metern auf Geröll verlangt den Knien mehr ab, als das Wort «mittel» vermuten lässt — und abkürzen lässt er sich nicht mehr, sobald man auf der Querung ist. Von Alpiglen aufwärts zu gehen ist die ruhigere und für viele die freundlichere Variante.
Pfingstegg–Milchbach–Hotel Wetterhorn
Die tiefe Route, und die einzige, die den Gletscher zeigt statt der Gipfel. Von der Bergstation Pfingstegg quert der Weg die felsige Breitlouwina Richtung oberer Gletscher und ehemaliges Restaurant Milchbach, danach hinunter zum Hotel Wetterhorn, wo der Bus zurück nach Grindelwald fährt. Gut eine Stunde Gehzeit. Sie liegt tief genug, um an einem Tag zu funktionieren, an dem die Höhenwege in den Wolken hängen — was am Eiger, der sein Wetter gern selbst macht, kein seltener Tag ist.
Grindelwald–Grosse Scheidegg
Die Ausnahme auf dieser Seite: die einzige Route, die am Bahnhof beginnt und ihre Höhe selbst erarbeitet. Durch das Dorf, an der Kirche vorbei, dann stetig durch Wald und Sommerweiden über Unteren Lauchbühl zum Pass auf 1961 m, die Eiger-Nordwand fast den ganzen Aufstieg im Blick. 927 Höhenmeter hinauf und, so gegangen, nichts hinunter — das Postauto über die Grosse Scheidegg bringt einen zurück. Wer will, dass sich der Bergtag nach einem Bergtag anfühlt und nicht nach einem Bahnbillett, nimmt diese.
Insider-Tipp
Zuerst die letzte Talfahrt prüfen, dann das Wetter. Ausser dem Aufstieg auf die Grosse Scheidegg hängt hier jede Route an mindestens einer Bahn, und die Fahrpläne werden im Lauf der Saison kürzer. In Grindelwald gehen mehr Bergtage wegen einer verpassten letzten Bahn schief als wegen des Geländes.
Bachalpsee und der Höhenweg
Zwei Klassiker des Tals stehen nicht in der Tabelle oben, weil sie eine eigene Seite haben: der fast ebene Weg von der Bergstation First zum Bachalpsee auf 2266 m, und der grosse Höhenweg von der Schynigen Platte über das Faulhorn nach First. Beide Routen, ihre Kenndaten und die Betriebssperren der Firstbahn stehen dort.
Bachalpsee: der Weg, die Zahlen und die Revisionssperre
Praktisch: Halbtax und Sperrungen
Tarife. Halbtax und GA gelten auf den Talbahnen; auf den Bergbahnen gibt es je nach Strecke eine Ermässigung statt freier Fahrt. Von den Bahnen hier nennt nur die Firstbahn einen einfachen Ab-Preis — ab CHF 38 — und der gilt je Richtung: hin und zurück kostet das Doppelte, einen Retourrabatt gibt es nicht (am 09.08.2026 in der Buchungsstrecke des Betreibers abgefragt). Den Tarif für die Richtung, die man tatsächlich fährt, prüft man am besten beim Betreiber, besonders wenn die Route an einer anderen Bahn endet als sie begonnen hat. Das ist beim Panoramaweg und beim Eiger Trail der Fall.
Sperrungen. Jede Bergbahn im Tal hat eine jährliche Revisionspause, und sie fallen nicht zusammen — eine Sperre kann den Ausgangspunkt einer Route wegnehmen, während das Nachbartal unberührt bleibt. Die Daten publizieren die Betreiber und sie ändern jedes Jahr. Wegzustand und Sperrungen für das Tal führt die örtliche Tourismusorganisation unter grindelwald.swiss.
Wandern ist die Aktivität ohne Anbieter: nichts zu buchen, nichts abzusagen. Die anderen — Tandemflug, Canyoning, Rafting und die Kursschiffe — stehen in der Rubrik Aktivitäten, mit Saison, Zeitbedarf und der Frage, ob ein Abo greift.
Häufig gestellte Fragen
Welche Wanderung in Grindelwald lohnt sich am meisten?
Für die meisten der Panoramaweg vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg: anderthalb Stunden, zehn Höhenmeter Anstieg, und Eiger, Mönch und Jungfrau durchgehend frontal im Blick. Wer die Nordwand aus der Nähe will, nimmt den Eiger Trail und plant nach dem Abstieg statt nach der Distanz. Wer einen richtigen Bergtag will, steigt vom Dorf auf die Grosse Scheidegg.
Sind die Wanderungen in Grindelwald anspruchsvoll?
Technisch nicht — alles hier ist T1 oder T2, markierter Weg ohne Kletterstellen und ohne nennenswerte Ausgesetztheit. Der Haken liegt woanders: vier dieser fünf Routen beginnen an einer Bergstation, zusammen 320 Höhenmeter hinauf gegen 1333 hinunter. Anhaltendes Absteigen ist das, was hier ermüdet, und genau das misst die Schwierigkeitsskala nicht.
Wie komme ich von Interlaken zum Wandern nach Grindelwald?
Direkt ab Interlaken Ost, 36 Minuten, tagsüber zweimal stündlich. Grindelwald Terminal, die Talstation des Eiger Express, liegt mit 29 Minuten noch näher. Jeder Ausgangspunkt auf dieser Seite ist ohne Auto erreichbar, die Fahrzeit steht bei jeder Route — Eigergletscher 52 Minuten, Männlichen 54, Pfingstegg 47.
Kann man den Eiger Trail auch ohne Bergbahn gehen?
In der üblichen Richtung von Eigergletscher hinunter nach Alpiglen ist er fast reiner Abstieg, 78 Höhenmeter hinauf gegen 779 hinunter. Wer in Alpiglen startet und aufsteigt, dreht das um, braucht ein kürzeres Bahnbillett und hat die Nordwand vor sich statt über und hinter sich. Es ist zudem die ruhigere Richtung.
Routenzahlen: Eiger Trail, Pfingstegg–Wetterhorn und der Aufstieg zur Grossen Scheidegg von Outdooractive, Panoramaweg und Royal Walk von Bergwelten, alle abgerufen am 5. August 2026. Koordinaten aus dem amtlichen swisstopo-Gazetteer, jede Höhe am selben Tag am Geländemodell gegengeprüft — der Männlichen-Gipfel kam auf 2342,3 m gegen publizierte 2342, die Grosse Scheidegg auf 1962,4 gegen 1961. Fahrzeiten aus dem Schweizer Fahrplan, schnellste Verbindung ab Interlaken Ost an einem Sommerwerktag, abgerufen am 5. August 2026. Zwei Angaben fehlen bewusst: Outdooractive führt für den Eiger Trail keine Saisoneinschränkung, was für eine Geröllquerung auf 2300 m ersichtlich nicht stimmt und deshalb nicht übernommen wird; und die Revisionsdaten der Bergbahnen stehen nicht hier, weil die Betreiberseiten sie am Prüftag nicht auswiesen.